Dubai von oben

Dubai ist eine beliebte Zwischenstation auf dem Weg nach Indien und – wie heute bei uns – zurück. Auf dem Hinflug hatte ich schon verzweifelt versucht den Burj al Khalifa zu entdecken, das höchste Hochhaus der Welt. Heute beim Aussteigen war er in der Ferne im Dunst aus dem Flughafenfenster zu sehen. Nicht fotogeeignet. Und um nach Dubai hinein zu fahren reichte die Zeit nicht. So verbrachten wir unsere Zeit zwischen den Dutyfree-Shops und suchten uns schließlich eine Liege zum Beine hochlegen.

Beim Abflug schließlich hatte ich dann einen Fensterplatz und betrachtete Dubai, die Wüste und das Meer von oben. Dieses Meer. Es hat eine unglaubliche Türkisfarbe. Aber die Strände scheinen keine Palmen zu haben.

Berge zwischen Wolken
Ein Bergwerk?
Wolken über Bergen
Siedlungsmauern
Zusammentreffen
Erhebung in der Wüste
Straße durch die Wüste
Grüne Quadrate
Siedlung an der Straßenkurve
Landzunge
Türkis umrahmte Landzunge
Dubai City von oben
Wüste und Meer
Ballerinabeine
Langsames Abflachen
Wellengang
Havenanlagen
Skyline
Mole
Bahnhof
Eine Oase von oben

Zurück in Ahmedabad, ByeBye India!

Der letzte ganze Tag in Indien ist angebrochen. Wir fahren von Bhavnagar nach Ahmedabad und bekommen noch einmal einen Auszug des bisher gesehenen präsentiert.

Links und rechts der Straße steht das Wasser nach dem Monsun noch hoch in den Feldern. Unmengen Wasservögel waten darin. Wir sehen, was wir im Rann of Kutch nicht zu sehen bekamen: Einen Schwarm Flamingos in der Ferne. Rose Störche nahe der Fahrbahn. Eisvögel und Bienenfresser auf den Telegraphendrähten.

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Lothal führt weit in die Vergangenheit zurück, bald 5000 Jahre in die Zeit der Harappa-Zivilisation. Bronzezeitliche Indus-Hochkultur, von der die Ruinen eines Trockendocks und einer kleinen Stadt (“nur 6 Marktstände!” meint Ravi) noch zeugen, gemeinsam mit einem sehr aufgeräumten mit vielen Erklärungen versehenen kleinen Museum.

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Ahmedabad bereitet sich auf Diwali vor, das Fest, das wir gerade nicht mehr erleben werden. Familienfest ein bisschen wie Weihnachten mit Lichtern und süßen Geschenken für die Kinder. Farbpulver für Mandalas vor der Haustür und Massen von Feuerwerkskörpern füllen die Marktstände, Süßigkeiten für die Kinder und alles was das Herz begehrt oder nie haben wollte. Und Menschen ohne Zahl.

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Indien verabschiedet sich von uns mit seiner ganzen Fülle.

Palitana oder nicht, das ist hier die Frage

Schon mal auf den Kölner Dom geklettert? Oder auf den Petersdom im Vatikan? Bravo, das waren jeweils mehr als 500 Stufen. Damit gibt sich allerdings ein Jain nicht zufrieden. Palitana zum Beispiel, in der Nähe von Bhavnagar hat je nach Zählung zwischen 3000 und 3700 Stufen.

Ich komme in ernsthafte Entscheidungsnöte. Denn – ehrlich gesagt – seit meinem letzten Fall aufs Knie am Karnevalsdienstag habe ich kaum Sport getrieben. Das Radfahren funktionierte erst seit Juli wieder so halbwegs und ich bin in diesem Jahr kaum dazu gekommen mein Fahrrad mal aus dem Keller zu holen. Schaffe ich den Aufstieg? Was tun, wenn nicht? Auf halber Strecke in der heißen indischen Sonne alleine zurückkehren? Über eines bin ich mir absolut sicher: Tragen will ich mich nicht lassen. (Kein Scherz. Man kann sich den Hügel in Palitana in einer Seiltrage hinauftragen lassen. Das kostet um die 2500 Rupien (ca. 40 EUR)) Der Aufstieg (mit Träger oder ohne) dauert ca. zwei Stunden.

Was gibt es dort zu sehen?
Palitana ist das größte Heiligtum der Jains mit 863 Tempeln. Dieser Tempelbezirk ist für die Jains so heilig, daß dort niemand über Nacht bleiben darf, nicht einmal die Jain-Priester. Die Nacht dort gehört den Göttern alleine. Unter http://www.gujarattourism.com/showpage.aspx?contentid=1 und eine Audio-Slideshow der BBC (leider nur auf Englisch) findet sich eine kurze Übersicht, was einen dort erwartet.

Die Jains bilden eine Religionsgemeinschaft in Indien, die auf den ersten Blick für uns westliche Touristen schwer vom Hinduismus unterscheidbar ist. Jains gibt es überwiegend in Indien selber und Gujarat ist sicherlich einer der Bundesstaaten von Indien, in denen der Jainismus am meisten vertreten ist. Der Wikipedia-Artikel über diese Religion gibt sicherlich besser Auskunft, als ich es kann. Mir werden wohl die vielen leicht rosa gefärbten Tempel in Erinnerung bleiben, die in Gujarat alle paar Kilometer am Straßenrand zu finden sind. Dann die Speisenkarten, die immer eine separate Liste von Jain-Gerichten enthalten: Jains sind strikte Vegetarier, dies resultiert aus dem Gebot der Gewaltlosigkeit gegenüber allen Lebewesen.

Meine Entscheidung fiel übrigens gegen eine Besteigung von Palitana. Bärbel und Elfi – beide Rentner – hatten sich entschieden, es zu versuchen und sich ggf. das letzte Stück tragen zu lassen. Sie haben beide den Aufstieg geschafft und brachten einige Erlebnisse und Photos und einen leichten Muskelkater wieder zurück mit ins Hotel.  Der Aufstieg wäre wohl auch für mich machbar gewesen, aber ein erholsamer Tag im Park des Nilambagh Palace war auch nicht so schlecht.

Welcome to India – Level 2

Eigentlich hatte ich ja gedacht, ich wäre schon zweieinhalb Wochen in Indien gewesen. Dieser Tag hat mich vom Gegenteil überzeugt. Sämtliche Bilder, die ich vor meiner Reise im Kopf hatte, spielten sich nun vor meinen Augen ab. Indien, das ist Menschheit pur.

Kann es sein, dass das Gujarati-Wort für “Stau” Una ist. Wenn nicht, dann sollte es dies werden. Wir näherten uns diesem kleinen Ort namens Una und kaum sind wir am Ortseingangsschild vorbei, geht gar nichts mehr. Nicht vorwärts. Nicht rückwärts. Und seitwärts an uns vorbei nur scheinbar. Auf einmal stehen die Autos in mehreren Reihen neben uns in unsere Richtung. Eine Viertelstunde können wir in aller Gemütsruhe das Dorfleben beobachten. Ein junger Mann, der sein Motorrad abspritz, Leute in ihren Ladeneingängen, Verhandlungen vor dem Gemüsestand, junge Frauen die sich auf einem stehenden TucTuc festklammern, während die TucTuc-Fahrer ein Schwätzchen halten. Bis schließlich unser aller Freund und Helfer sich einen Weg bahnt. Und tatsächlich, nur knappe 10 Minuten später müssen unsere rechten Nachbarn das Feld räumen, abbiegen, oder sich irgendwie links einreihen. Und dann gib es tatsächlich doch wieder – sich bewegenden Gegenverkehr.

Des Rätsels Lösung ist eine Brücke, auf die eigentlich zwei Wagen nebeneinander passen, die aber durch die von beiden Seiten drängelnden Autos sowie einen Lastwagen mit einer Panne total blockiert gewesen war. An beiden Seiten strömen nun Fußgänger um uns herum und die ersten Motorräder wagen sich schon wieder auf der falschen Seite in die Gegenrichtung.

Waschen am Fluß
Lächeln
Hab mein Wagen vollgeladen ...
Könnte auch eine Wäsche gebrauchen. Das Baby in der Mitte ist
Flußquerung
Flußquerung
im Stau
Motorradwäsche
Familienwagen (sie sind zu viert)
Es muß glänzen!
TucTuc
im Stau
Süssigkeiten
im Stau
Flußquerung
TucTuc-Wäsche
Ganesh, der Elefantengott, unser Glücksbringer

Von der Brücke aus sehen wir Leute und Hunde den Fluss queren, Frauen ihre Wäsche waschen und Vögel im Gras. Fast bedauere ich, schon wieder weiterfahren zu müssen. Insbesondere, weil die nun folgende Strecke die schlechteste der ganzen Reise ist, Schlagloch an Schlagloch. Mit Betonung auf Schlag und auf Loch. Aber irgendwann geht auch das vorbei.

Una, das war Leben hinter der Autoscheibe. Bhavnaghar, das ist Leben hautnah. Unser TucTuc drängelt sich durch die Basarstraßen und kommt kaum durch. Der Basar in Bhuj war nichts dagegen. Was sich hier alles auf der Straße drängelt zur Hauptverkehrszeit! Und Bhavnagar hat einen Basar, so orientalisch wie er nur sein kann. Goldbestickte Saris wetteifern mit den Farbschalen für Diwali. Aus den Ecken duftet es nach Backwaren. An den Marktständen gibt es dutzende Sorten Bohnen, Auberginen in jeder Größe und halbreife Guaven zum kosten. Der Zwiebackbäcker will kein Foto von sich, er ist Muslim. Aber er zeigt auf den Mann vor dem Ofen. Ob der Mann vor dem Ofen wohl Hindu ist, oder Christ?
Ein junger Mann im Sariladen sagt, er würde uns gerne mit allem helfen und wir sagen, wir werden uns gerne darauf beziehen, wenn wir in die Verlegenheit kommen.
Am Ende einer Marktstraße biegen wir in ein Wohnviertel ab und haben nun alle Aufmerksamkeit – wenn wir die nicht vorher schon hatten – bei uns. Kleine Jungs lassen Drachen steigen. Ich sehe meine erste Riesenkakerlake, sage es aber nicht weiter. Ein Mann winkt, wir sollen nach oben kommen, sie würden für uns kochen. Aber wir winken dankend ab, da darunter die Abwassergrube gesäubert wird. Nur am Rande streifen wir so das Leben der Menschen jenseits der Märkte.

Straßenverkehr
Immer wieder prachtvolle Tore
Marktstände
Stoffe
Farbenverkauf für Diwali
Heilige Kuh
Karren
ganz schön schnell
Unterhaltung am Stand
Devotionalien
Bärbel hat ein neues Hastier
Elfis Objektiv ;-)
TucTuc vor einer Häuserwand

Stattdessen Essen wir ganz vornehm m Gartenrestaurant des Nilambagh Palace zu Abend. Nach drei Wochen ungewohnt ruhig, lauschig und fast wie ein europäischer Sommerabend. Ein bisschen Abstand zum übrigen Indien rund um den Palastgarten.

Abendessen vorm Palast