Über Guangshou und Hong Kong nach Hause

Samstags flogen wir nach Guangshou (ehemals Kanton). Meine Erkältung legte mich wieder flach, so dass ich nicht viel von der Stadt sah. Am Folgetag ging es mit dem Schnellboot rüber nach Hongkong. Das Hotel war in einer Seitenstrasse der Jordan Road. Ich verbrachte viel Zeit beim Bummeln durch die Shops, für eine Ausflug hinein nach Hongkong-Island war ich jedoch zu schlapp. Immerhin fuhr ich ein paar mal mit der Fähre hin und her. Dienstags Abends ging der Flug dann zurück nach Frankfurt. Mittwochs war ich zurück in der Heimat.

Yangshuo

Wie schön ist es, bis um sieben zu schlafen. Um acht klopften Elfi und ich dann an die umliegenden Türen und sammelten unsere Nachbarn zum frühstücken ein. Es gab westliches Früstück an der West Street. Das chinesische Frühstück war ich mittlerweile ziemlich leid. Geschmacklose Reissuppe, Hefeteigbällchen, saures Gemüse, nichts für mich. Ich ziehe chinesisches Essen Mittags oder abends vor, da gibt es dann auch ein paar interessantere Sachen.

Wir gingen zum Fahrradverleih und mieteten Mountain Bikes von Giant für 10 Yuan den Tag. Wie üblich bei mir – trotz meiner geringen Größe – ließ sich der Sattel nicht hoch genug einstellen und der Lenker gar nicht. Aber die Bremsen und die Gangschaltung funktionierten und mehr sollte man nicht verlangen. Dann geht es quer durch die Stadt, vorbei am Nachtmarkt, um die Ecke. Die Straßen waren hier mehrheitlich von Fahrrädern bevölkert und so konnte man auch mit weniger Raderfahrung, als ich sie habe, hier gut in der Stadt fahren.

Wir bogen aber bald in einen gepflasterten Feldweg ein und ich trat erstmal kräftig in die Pedale. Ist wohl Entzug, was ich habe. Monika und ich übernahmen die Führung bis Heinz an uns vorbeischoss. Der Weg führte durch die Karstberglandschaft. Wir sahen handgroße schwarze Schmetterlinge mit zweigeteilten blau gepunkteten Flügeln. Dann weiße schwarzgeäderte mit orangenen Punkten, nur unwesentlich kleiner. An einer kleinen Stromschnelle beobachteten wir Touristen, die auf Bambusbooten darübergefahren werden. Schließlich hörte der Asphalt auf und wir kamen auf einen Feldweg mit vielen spitzen Steinen. Hier war die Federung des Mountainbikes sehr angenehm. Ein Seitenweg führte mitten in ein Karstbergtal. Auf einmal wurde es still um uns herum. Wir hörten nur unser Echo. Nach anderthalb Stunden erreichten wir den Mondberg, ein Karstberg mit einer halbmondförmigen Öffnung, durch die man den Himmel sehen kann. Hier trennten sich die Wege. Monika und Heinz bestiegen den Mondberg, Klaus fuhr alleine zurück in die Stadt und der Rest, darunter auch ich, setze den Weg durch die Dörfer fort.
Im ersten Dorf trafen wir auf eine Gruppe von Frauen, die Blätter und Blüten von einem Baum ernteten. Daraus wird dann wohl Zucker gemacht oder Zucker damit gewürzt. Wir bekamen Zweige an die Lenker gesteckt. Nur für die Photos mußten wir bezahlen. Die Frauen meinten, das fotografieren wäre wie der Kauf eines Photos.

Im zweiten Dorf machten wir am Wegesrand in einer Art Garten ein Picknick. Die Bewohner der umliegenden Häuser grüßten freundlich. In unserer kleine Gruppe von sechs Leuten wurden wir in ein Haus zum Klebreis eingeladen. Der sieht aus wie Griesklöschen und schwimmt in Jasmintee. Nicht schlecht!. Die Tochter des Hauses hatte ein 16 Tage altes Baby im Arm und konnte kaum die Blicke davon wenden. Der Hofhund wurde vom Hahn gepickt, als er den Hennen zu nahe kamm. Ein Kätzchen strich uns um die Beine. Das Haus bestand im Erdgeschoß aus vier Räumen auf gestampftem Lehm. In der Mitte die Küche, in der wir auf Hockern saßen. Sie enthiehlt ein Schränkchen mit Kochplatten und einen Fernseher. Der Klebreis wurde aber auf einem Feuer im Hof gekocht. Links und rechts waren zwei Schlafräume mit jeweils einem Doppelbett. Der vierte Raum war eine Rumpelkammer. Draußen führte noch eine Treppe aufs Dach, das wohl auch genutzt wurde.
Mit den Rädern ging es auf anderen Wegen zurück zum Fahrradverleih. Auf dem Weg trafen wir noch zwei Frauen einer holländischen Djoser-Gruppe, die die gleiche Tour machten. Total rot zugestaubt kam ich schließlich ins Hotel und sprang unter die Dusche.

Für den Abend war noch ein Besuch bei den Kormoranfischern angesetzt. Nach ein bißchen hin und her bekamen wir zu viert ein Boot und fuhren hinter einem Fischer her, der selber noch ein paar Touristen in seinem Boot hatte. Und wir saßen in der ersten Reihe.

Der Abend wurde in der Fußgängerzone an einem Tisch im Freien in gemütlicher Runde mit Flötenbegleitung beschlossen.

Yangshuo

Um fünf 🙁 klingelt der Wecker und ich wankte bei halbem Bewusstsein ins Bad. Was tut man nicht alles für einen Sonnenaufgang. Um sechs fuhr uns ein Kleinbus nach Xing Ping, wo wir wieder ein Boot für uns hatten, das uns schon am Kai erwartet. Alles um uns herum war noch still, wir waren die ersten im Dorf und im Hafen. Schon nach kurzer Zeit waren alle auf dem Vorderdeck versammelt, einem kleinen nicht abgezäunten Bereich mit Hockern. Gelegentlich – immer wenn eine potentielle Kontrollstelle nahte, mußten wir zurück in den Fahrraum (wegen der fehlenden Reling), fanden uns aber kurz darauf wieder vorne ein. Der Li-Fluss ist umgeben von Karstbergen, die auch den 20 Yuan Schein schmücken. In der Dämmerung verschwammen sie im Dunst. Dann wurde es heller. Die Sonne war eine rote Kugel im Nebel. Schliesslich konnten wir die Spiegelung der Berge in der ruhigen Oberfläche des Wassers sehen.

Bootsfahrt, Yangshuo

Wir sahen Eisvögel auf Felsen in der Strömung. So habe ich mein Fernglas doch nicht umsonst durch China geschleppt.

An einem Fischerdorf machten wir halt. Wir waren so früh dran, dass die Touristenstände noch nicht aufgebaut waren. Sozusagen Dorf pur. In einem der Häuser zeigte man uns eine wunderschöne Wand aus durchbrochener Holzschnitzerei, die kleine Geschichten erzählte.

Holzfenster

Um das Dorf herum wuchsen an Bäumen riesige birnenförmige grüne Zitrusfrüchte von ca. 15 cm Durchmesser.
Wegen des Niedrigwassers konnten wir nicht direkt bis zum Tempel auf der anderen Flussseite fahren. Wir liefen 10 Minuten durch die Flusskiesel des ausgetrockneten Flussbettes. Man sah genau die Pfade der Fischer, denn links und rechts sind die Kiesel von sandfarbenenm getrocknetem Schlick bedeckt. Ein kleiner Junge rannte über die Kiesel zum Karren seines Vaters. Wir hatten erheblich mehr Mühe beim Vorwärtskommen.
Der Tempel selber lag unterhalb eines riesigen Felsüberhangs. Die Farben an den Holzbalken waren verblichen. Durch den Tempel hindurch führte der Weg in eine Höhle. Eine einsame Glühbirne beleuchtete nur einen Durchmesser von vielleicht drei Metern, so dass wir uns langsam vortasteten. Man hörte Fledermäuse fiepsen. Am Höhlenausgang waren mehrere Betten in Reihe aufgestellt: Wir waren im Wohn- und Schlafraum der Bewohner angekommen. Vor den Betten der Fernseher. Vor der Höhle Tomatenpflanzen. Ein Mann machte Holzarbeiten.

Höhle

Die Frauen waren wohl am Fluss um Wäsche zu waschen, wir hatten schon mehrere Gruppen von Wäscherinnen auf der Hinfahrt gesehen.

Langsam tuckerte das Bötchen zurück zu seinem Hafen. Wir sehen Kormoranfischer auf dem Rückweg von ihrer Arbeit. Die Vögel saßen aufgereiht auf dem Boot.

Im Hafen überfielen uns dann die Postkartenhändler und verfolgten uns bis zum Bus , der auf der anderen Seite des Dorfes parkte. Irgendwie habe ich das raus, das sie mich nur einmal ansprechen, aber die anderen hatten ein paar mehr Probleme. Sie gingen aber auch immer wieder auf die Händler ein.

Zurück in Yangshuo legten sich die meisten erstmal ins Bett, fünf Uhr ist doch recht früh zum aufstehen. Nur Hui, Klaus, Hendrick und ich verspüren mehr Hunger als Müdigkeit und setzen uns in ein Restaurant neben dem Hotel. Ich aß Rindfleisch mit grüner Paprika (scharf). Klaus und Hui machen sich über Beer Fish her, eine lokale Spezialität. Hendrick bestellte (!) Hund (!). So recht kann es ihm aber nicht geschmeckt haben, er ließ nämlich ziemlich viel übrig. Ihr glaubt doch wohl nicht, das ich sowas probiere, oder? Er meinte, das Fleisch hat eine wechselnde Konsistenz, teils zart, teils zäh, so ein bißchen wie Wild, aber ihm fiel kein passender Vergleich für den Geschmack ein. Ich vermute mal, das war junger Hund, denn später sah ich Welpen in kleine Käfigen auf dem Markt.

Zurück im Hotelzimmer war ich so müde, das ich auch länger als anderthalb Stunden geschlafen hätte, hätte ich mir keinen Wecker gestellt. Dann bummelte ich ein bißchen durch Yangshuo. Das Örtchen wirkt in etwa wie ein Urlauberstädtchen in Spanien. Restaurants wechseln mit Touristenläden. Nur der Strand fehlt, aber vom Kai hat man einen Blick auf den Li-Fluss.
Unterwegs traf ich Siegfried, Heinz, Elfi, Gudrun und Hendrick in einem kleinen Kaffee (bald wäre ich, ohne sie zu sehen, vorbeigeschlendert) und setze mich auf einen Apfel-Joghurt-Shake dazu. Die Anderen danach kehrten bis auf Hendrick ins Hotel zurück und ich schlenderte die West Street hinunter und nahm mir die CD-Läden vor. Es gab DVDs für 9 Yuan und CDs für 20 Yuan. Unschlagbar, diese Preise.

Für das Abendessen steuerten wir zuerst den Nachtmarkt an. Dort waren die Garküchen aufgereiht. Dahinter standen Holztische, an die man sich setzen kann. Sah eigentlich ganz ansprechend aus und appetitlich. Bis auf die Ratten am Spiess.

Das hat die anderen dann so abgeschreckt, das sie es vorzogen, an der West Street zu essen. So sassen wir dann dort an unserem Tisch am Rande der Fussgängerzone und liessen die Spaziergänger an uns vorbeiziehen. Nachtleben im Süden, sehr angenehm!

Der Steinwald von Kunming und Flug nach Yangshuo

Wir hatten wieder denselben Wasserpfeife rauchenden Fahrer (Opium? Hoffentlich nicht! Beim Fahrstil konnte man es aber fast glauben) wie gestern.

Die Wasserpfeife war ein Papp- oder Metallrohr von ca. 8 cm Durchmesser mit einem kleinen Seitenrohr, auf das der Tabak aufgesetzt wird. Geraucht wird, in dem man Mund und Nase über die Öffnung des grossen Rohrs hält.

Nach zwei Stunden Fahrt erreichten wir den Steinwald von Kunming. Erinnert ihr Euch an den Buddha von Leshan? Hier sind mindestens genauso viele chinesische Touristen. Glücklicherweise ist das Gelände ein bißchen grösser. Elfi und ich bogen ab auf kleine schmale und vor allem leere gepflasterte Seitenwege, über die man zwischen den Steinnadeln auf und ab klettern konnte. Richtig idyllisch und ideal für Photos. Irgendwann stiessen wir auf Siegfried, der ebenfalls vor den Massen geflüchtet war. Wo Siegfried war, konnte Heinz eigentlich nicht weit sein und da kam er auch schon. Den Winken wohlmeinender Chinesen, die uns auf dem Hauptpfad halten wollten, folgten wir nicht, sondern suchten stattdessen die Stille. Viel zu schön war es Abseits. Bizarre Löcher in den Felsen, Ranken und Spinnennetze. Am Rand des Steinwaldes fanden wir grüne Wiesen. Irgendwann trafen wir dann noch auf Hendrick. Die Durchgänge zwischen den Felsen waren teilweise so schmal, das man mit Rucksack nicht mehr durchpasst. Heinz erklomm wie eine Spinne die Felsen. Die Zeit bis zum Treffpunkt am Bus verging wie im Fluge.

Steinwald von Kunming

Zum Mittagessen aßen wir Ente. Die waren vor dem Lokal in Reihe und gerupft aufgehängt. Sie wurden über einem Feuer geräuchert und mit einer süßen Paste bestrichen gebraten. Sehr wohlschmeckend. Eines muß man unserem Busfahrer lassen, er ißt gerne gut.
Der Flug von Kunming nach Guilin in der Provinz Guangxi dauerte ca. eine Stunde. Bei Ankunft war es schon dunkel. Die Weiterfahrt verzögerte sich ein bißchen, da Gudruns nagelneu in China gekaufter Koffer in mehreren Teilen über das Gepäckband rollte und daher ersetzt werden mußte. Auf der Weiterfahrt nach Yangshuo war es still im Bus. Die meisten schliefen oder taten zumindest so als ob. Wir kamen so spät in Yangshuo an, das wir nicht mehr damit rechneten, noch etwas zu essen zu bekommen. Immerhin war der Supermarkt neben dem Hotel noch geöffnet.

Ein Fahrtag

Heute mußten wir früh aufstehen. Die Fahrt ging nach Kunming, der Hauptstadt Yunnans und sollte den ganzen Tag dauern. Der erste Teil der Fahrt führte durch eine Hügellandschaft, teils bewirtschaftet, teils bewaldet (und vielleicht auch bewirtschaftet).

Das Mittagessen in einem Rasthaus am Weg war vorzüglich

Mittagessen

und wir nahmen eine Art Kuchen mit auf die Fahrt. Sah aus wie ein Fladenbrot, hatte aber eine süsse Füllung.

Nach dem Mittagessen wurde die Straße immer schlechter. Nicht so schlimm wie zwischen Shigatse und Lhasa, aber auch nicht ohne. Für eine halbe Stunde standen wir im Stau an einer Straßenbaustelle. Je mehr wir uns Kunming näherten, desto staubiger wurde es um uns herum. Sogar die Blätter der Bäume waren von einer grauen Schicht aus Staub und Abgasen überzogen. Erst ein paar Kilometer vor Kunming besserte sich das. Die Bäume wurden durch die Vorstädte ersetzt. Kunming selber ist eine Vier-Millionen-Stadt. Großstadt halt.

Wir gingen ausnahmsweise mal richtig fein essen (in unseren Wanderklamotten, aber das kleine Schwarze hatte irgendwie keiner im Koffer). Uns wurden Servietten vorgelegt. Über die Stuhllehnen mit unseren Jacken wurden Hüllen gestülpt, ob aus Vorsicht, oder weil die Jacken so hässlich waren, kann ich nicht sagen. Das Essen war schön scharf und hervorragend. Der frisch gepresste O-Saft schmeckte fruchtig und süss und war ein Genuss.

Im Hotel wohnten übrigens Leute, die an den Paralympics teilgenommen hatten, darunter auch ein paar Goldmedaillengewinner. China war dort ja überaus erfolgreich.

In dieser Stadt mit ihren wirklichen Massen von Fahrrädern erlebte ich zum ersten Mal, das sich Autos und Räder an die Rotphasen hielten.