Ohrid

Ein geruhsamer Tag in Ohrid. Der Wecker schellt um acht und Jutta und ich frühstücken in aller Ausgiebigkeit mit unseren Mitreisenden, bevor wir die Altstadt besichtigen.

Auf dem Markt probieren wir gelbe Kirschen und lassen uns von den Marktfrauen Kräuter zeigen. Basilikum mit winzigen Blättern. Es gibt alles was man braucht – Essbares und Haushaltswaren. Und viele, viele Blumen. Überhaupt Blumen, dafür haben sowohl Albaner als auch Mazedonier ein Händchen. Und wo keiner Hand anlegt gibt es bunte Blumenwiesen in gelb und weiß mit roten Mohntupfen am Straßenrand.

Die beiden Moscheen sind geschlossen, so sind die ersten Gotteshäuser, in die wir hinein schauen zwei ehemalige Hospitalkirchen mit Fresken aus dem 11ten, 14ten und 15ten Jahrhundert. Winzig, aber noch in Betrieb. Auf dem Friedhof der einen sehe ich Kreuzritterkreuze, kann aber keine Erläuterung dafür bekommen.

Eine sehr gute Führung dagegen bekommen wir in der Kathedrale St. Sophie (Hagia Sophia). Die junge Frau von der Kasse erklärt uns die Symbolik einiger Ikonen. Alles an einer Ikone scheint Symbolik zu sein. Die Handhaltung Jesu lässt sich in Form von Buchstaben lesen – NIKE heißt auf griechisch Sieg. Die Engel an Abrahams Tisch werden als die Dreifaltigkeit interpretiert, Jesus ist dabei, im Vorgriff auf das neue Testament. Ihre Tischrunde öffnet sich zum Betrachter und lädt diesen ein zum Liebesmahl. Es gibt noch vieles mehr, was man wissen muss, um richtig zu interpretierern. Vielleicht wäre es mal Zeit für einen Besuch im Ikonenmuseum in Frankfurt.

Die Fresken der Kirche selber haben nur deswegen überlebt, weil sie zur Zeit der Ottomanen – umgenutzt als Moschee – mit Putz überdeckt waren. Heute leuchtet der Altarraum in hellem Blau. Und darf nicht fotografiert werden.

Ich spaziere weiter durch die Gassen Ohrids.

St. Johannes am Ende der Halbinsel ist DAS Fotomotiv von Ohrid. Die Kirche thront über der steil abfallenden Küste. Der Wächter in der Kirche spricht französisch und ich frage mit meinen rudimentären Kenntnissen, warum in der Kirche die Ikonostase offen steht. Eine Ikonostase schließt in orthodoxen Kirchen den Altarraum vom Kirchenvolk ab und ist normalerweise nicht einsehbar. Obwohl St. Johannes an den Hochfesten in Benutzung ist, wird die Ikonostase in der Zeit dazwischen den Touristen gezeigt.

Der Aufstieg zu den Ausgrabungsstätten ist steil und großenteils in der prallen Sonne. Hunderte Arbeiter wühlen sich durch Reste von Kirchenmauern und Wohnhäusern. Ein Baptisterium ist umgeben von Mosaiken. Manche Gräber enthalten noch Knochen. Kurz vor dem oberen Stadttor sieht man Samuelskastell und Amphitheater, aber ich lasse beide rechts liegen und gehe langsam wieder den Berg hinunter auf der Suche nach einem Restaurant fürs Mittagessen.

In einem Hauseingang sitzt eine alte Frau und häkelt und ich nehme all meinen Mut zusammen und frage, ob ich sie fotografieren darf. Das Foto lasse ich dann an der Hauptstrasse ausdrucken, damit sie auch etwas davon hat und sie freut sich riesig. Ihr Schwiegersohn gibt mir mazedonische Süßigkeiten zum probieren.

collage

Nicht weit vom Seeufer treffe ich Jutta wieder und esse erst einmal einen griechischen Salat. Auf dem gegenüberliegenden Seeufer grollt ein Gewitter, lässt uns aber hier in Ohrid in Ruhe. Ich schreibe Tagebuch am Hafen und „sündige“ in Form von einem Bananenpfannkuchen. Lecker.

Sankt Marien war Mittags geschlossen gewesen. Da sowohl Georg als auch Jutta von den drei Sekunden schwärmten, die sie haben hineinschauen dürfen, kehre ich gegen halb fünf noch einmal dorthin zurück, als die Kirche wieder öffnet. Sehr gut erhaltene blaue Fresken, ausführlich erklärt von der Verfasserin eines Buches über die Kirche, die jetzt die Kirchenpforte hütet. Und Georg und mir eine ausführliche Predigt über Liebe, Güte und gute Taten hält.Georg und ich spazieren wieder hinunter ins Städtchen und unterhalten uns über Gott und die Welt. Georg ist mit 78 der Älteste der Gruppe, hält Mittags sein regelmäßiges Nickerchen und ist ansonsten die ganze Zeit auf den Beinen. Und arbeitet trotz seines Alters gelegentlich immer noch freiwillig. Als Schauspieler.

Jetzt sitze ich im Internetcafe. Draußen spielen die Deutschen (im Fernsehen) und hier drinnen ist Platz und Ruhe zum erzählen.

Ein Gedanke zu „Ohrid“

  1. Hallo Gabi, wir haben Deine Berichterstattung gelesen,und Deine „besorgte Oma“ sofort verständigt. Freuen uns auf weitere Infos und wünschen Dir weiterhin einen schönen Urlaub.

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