Navratri in Poshina

Unser Guide hat ein bisschen Sorge: “Kommt da nicht noch einer von den örtlichen Servants mit?” Aber dann verlassen wir doch in Begleitung von Nepal und Ravi das Gelände des Maharashtra-Palastes von Poshina. Direkt vor dem Gittertor tobt auch zu dieser späten Stunde noch das Leben. Eigentlich geht es ja gleich erst richtig los.

Heute ist der vorletzte Tag des Navratri-Festes. Neun Tage wird zu Ehren der Kriegsgöttin Durga gefeiert, mit Fasten, Gebeten und Gesang und Stocktanz.

Wir treten vor das Tor und ziehen alle Blicke auf uns. Aber erst halten die Leute Abstand, bis dann die ersten 10jährigen Jungs auf uns zustürmen: “What’s your name?” “Gabi” wiederhole ich eins ums andere Mal und lächele zurück, aber die wenigsten verraten mir auch ihren Namen. Zu schüchtern :-). Aber das gibt sich.

Wir gehen langsam die Dorfstrasse hinunter bis zum Dorfzentrum, wo eine Puja also ein Gebet gehalten werden soll. Ältere Männer sitzen auf den Simsen am Straßenrand und wir setzen uns an eine Stelle, wo noch Platz frei ist dazwischen. Im Nu sind wir wieder umringt von kleinen Jungs und in einigem Abstand die älteren jungen Männer. Auch die ersten Mädchen wagen sich nach vorne. Und als Elfi den Fotoapparat auspackt ist kein Halten mehr und bald habe ich auch meine Nikon draußen und mache Bilder von grinsenden Jungs, die um die Wette in meine Kamera springen und grinse zurück. Die Traube um uns wird immer dichter und ich habe schon Sorge, mit dem fotografieren die gerade beginnende Feier zu stören, aber als es dann wirklich losgeht, brauche ich keine Sorge haben, denn ein älterer weiß gekleideter Herr mit rotem Schal scheucht die Jungsmeute weg.

Die Jungen haben schließlich eine Aufgabe zu erledigen, denn kurz darauf – wir werden nach vorne gewunken – sehe ich einen der Jungen im Glitzerhemd die Kerzen in weiten langsamen Kreisen vor dem Götterbild schwenken, links und rechts stehen seine Freunde. Rundherum, außerhalb des Gebetsraums stehen die Mädels und klatschen zum Gesang und Getrommel der erwachsenen Männer.

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Extra für uns ist mittlerweile eine blaue Bank aufgestellt worden, direkt vor den Trommeln und wir sollen zuschauen und ja nichts verpassen. Da kann man natürlich nicht nein sagen. Aber – lasst Euch das gesagt sein – es ist ganz schön laut. Was dann Bärbel und Elif irgendwann zur Aufgabe bringt. Und da die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit dann doch alleine etwas zu viel für mich wäre und unser Guide sich alleine mit mir wahrscheinlich auch nicht trauen wird, sehen wir die Tänze selber nicht, die noch Stunden andauern. Nur die Musik klingt aus dem Dorf hinüber zum Palast und begleitet uns bis tief in die Nacht.

Walrösser nach Mitternacht

Jan fragt, wer Walrösser sehen will. Natürlich wollen wir das alle. Als er meint, so ein Uhr nachts sagen auch nur zwei "Nein".
Soll man nun erst schlafen gehen oder wach bleiben? Ich entscheide mich fürs wach bleiben, weil ich Sorge habe, beim Losfahren dann total müde zu sein.

Gegen halb Eins kommen die Walrösser von Poole Pynten in den Blick, kleine Hügel auf einer Inselspitze. Wenig später kann ich im Fernglas die Stoßzähne erkennen. Kurz darauf setzen wir über und landen in einer Entfernung von vielleicht 300 Metern außerhalb des Blickfeldes der Tiere, laufen hinüber und nähern uns langsam an. Jan beäugt die Tiere misstrauisch und lässt uns dann bis auf eine Entfernung von vielleicht 30 Metern heran. Alle sind still oder flüstern höchstens.

Die Tiere liegen in der nicht vorhandenen Sonne und machen tatsächlich nichts außer schnauben, sich kratzen und gelegentlich den Kopf ganz leicht heben. Nur eines tanzt aus der Reihen und streckt immer wieder die Fussflossen in die Luft.

Gerade in dem Moment, als zwei der (durchgehend) Bullen im Wasser auftauche, müssen wir gehen.

Es ist nach Drei, als wir ins Bett kommen.