Sasan Gir am Abend

Was für eine Begrüßung. Wir sind offensichtlich die ersten Besucher des Parks in dieser Saison und werden erwartet mit geeisten Tüchern und einem Blumenregen.

Direkt vor dem Camp ist der Fluss. Jetzt nach dem Monsun könnte es hier auch Krokodile geben, meinen zumindest die Leute am Empfang vom Camp.
Und viele Vögel.
Hinter uns, ein paar dutzend Meter den Fluss hinunter ist der Schlafbaum der Kuhreiher. Immer mehr fliegen heran. Der Baum ist vor weißen Punkten kaum noch zu erkennen.
Über uns fliegen die Libellen tief. Auf einmal zieht über uns ein riesiger Schwarm Schwalben.
Die Graureiher verstecken sich in der Dämmerung im hohen Riedgras.

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Über das europäische Essen im Camprestaurant schweige ich wohl besser. Da versuchte jemand, europäisch zu kochen.

Wie in Mandvi übernachten wir in Safarizelten mit angebautem Badezimmer und Klimaanlage. Diese Nacht ist die erste seit langem, in der die Temperaturen auf ein angenehmes Maß zurückgehen. Das erste Mal seit langem ziehe ich unter meinem Moskitonetz wieder das Laken bis über die Schulter.

Im kleinen Rann of Kutch

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Gerade hat ein Huhn ein Ei gelegt. In den Restaurantsessel. Es ist noch körperwarm, aber Ravi, der das Ei gefunden hat, hat heute schon ein Omelett gehabt. Dabei hat er bestimmt noch nie ein so frisches Ei bekommen.

Eigentlich sieht dieses Restaurant wirklich nicht nach Hühnerstall aus. Es ist safaristyle, Korbmöbel, Steinbänke mit indisch gemusterten Kissen, orangene Vorhänge mit kleiner Stickerei. Sehr geschmackvoll. Aber eben auch nach außen offen.
Mittlerweile gackert die Henne wieder draußen rum und ich schreibe Tagebuch.

Das Huhn war heute nicht der einzige Vogel, den wir gesehen haben. Der kleine Rann of Kutch ist bekannt für seine Wildesel und seine Flamingos. Da der Monsun dieses Jahr sehr spät war sind wir zu den Flamingos nicht hingekommen, aber es gibt eine unglaubliche Vielfalt von Vögeln in allen Größen und mit jedem Beuteschema, darunter alleine drei Sorten Eisvögel – einer braun mit weißer Brust, einer schwarz weiß und ein richtig schön bunter, zwei Sorten Störchen – einer mit einem Schnabel, der so gebogen ist, dass er offen ist. Bisher habe ich noch keinen Storch vor unserer Hütte landen sehen, aber möglich wäre es schon, denn in dem Brunnen gibt es richtig schön große (und glücklicherweise leise) Frösche. Und eine Lotosblüte, die anscheinend nur nachts blüht.

So ganz wild war unsere Safari heute eigentlich nicht. Viele Vögel saßen nämlich auf den Telegraphenmasten am Straßenrand. Ganze Schwärme von Staren (“Starlings”, sie sind eher rostfarben und nicht gesprenkelt, wie unsere Stare). Dann Schwalben. Grün schimmernde Bienenfresser. Ein Raubvogel – diesmal tatsächlich im Gras. Schade, dass ich kein Bestimmungsbuch dabei habe. Die englischen Begriffe sagen mir nur teilweise etwas.

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Als wir dann von der Straße abbiegen, wird die Landschaft auf einmal trocken. Zuletzt geregnet hat es im September, aber so sieht es nicht aus. Der Boden bricht auf und bekommt Risse. Nur daran, wie tief die Tierspuren sind, kann man erkennen, das der Boden noch Feuchtigkeit enthält. Am Horizont sehen wir eine indische Antilope (“Blaue Kuh”, nennt sie Ravi, sie verändert wohl mit dem Alter die Farbe). Und dann am Horizont die ersten Wildesel. Diese Esel sind geschützt, man darf sie nicht fangen und unser Jeepfahrer – der diese Touren seit 9 Jahren macht und sich recht gut auskennt – meinte auch, selbst wenn man sie fangen würde, zählen können man sie nicht. Die größte Herde sehen wir etwas später auf der Tour. Ein Hengst – erkennbar an der etwas dunkleren Bauchfarbe und an der leicht höheren Firsthöhe – gemeinsam mit einer Gesellschaft aus ca. 20 Stuten und 10 Eselsfohlen. Als wir uns zuerst näherten, laufen sie davon, aber sie haben sich binnen Minuten an uns gewöhnt, und nur der Hengst schaut gelegentlich misstrauisch herüber. Die Esel sind beigefarben, der Bauch ist weiß gefärbt und ein heller Streifen geht hinauf zum Sattelfirst.

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Im Rann of Kutch wird auch Salz abgebaut. Wir halten an der Hütte zweier Männer. Sie haben breite Becken abgegrenzt, einen Brunnen gegraben und Wasser in die Becken eingeleitet. Das erste Becken ist schon wieder trocken gefallen und von einer weißen Schicht bedeckt. Die Männer sind jetzt die gesamte Saison über hier draußen in der Leere in der man nur den Wind und die Vögel hört und gelegentlich die Stimme seines Kollegen. Am Ende der Saison werden sie ein paar Tonnen Salz produziert haben. Sie verkaufen es für 20 Rupien für 25 Kilo. Im Geschäft kostet ein Kilo Salz ca. 2 Rupien. Also eine Gewinnspanne von 10 Rupien.
Und sie müssen aufpassen, dass sie das Salz rechtzeitig vor dem Monsun zur Ablagestelle am Eingang des nächsten Ortes bringt. Es muss abtransportiert sein, bevor der erste Regen fällt. Sonst würde es wieder weggeschwemmt.

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Schade, dass diese Tour nur 3 Stunden dauert. Ich wäre gerne länger unterwegs geblieben. Aber ein langer freier Nachmittag nach den vielen Erlebnissen der letzten Tage ist auch mal nicht schlecht, insbesondere, da die Anlage in Dasada wirklich schön ist, mit ihren Rundhütten.