Vernadsky Station, Wordie House und Petermann Island

Morgens besuchten wir die ukrainische „Akademik Vernadsky Station“ . Die Station war früher britisch und hieß „Faraday Station“. Dort wurde das Ozonloch gefunden. Die Ukrainer setzen diese Arbeit fort. Sie machen auch Unterwasserforschung.

Ich holte mir einen Stempel (genauer 3) in den Pass und einen Button und ein paar Postkarten.
Die Station ist bekannt für ihre Bar. Zu britischen Zeiten gab es dort einmal einen Schreiner, der einen Bootssteg bauen sollte. Aber die Besatzung beschloss angesichts der langen dunklen Wintertage, dass eine Bar viel nützlicher seinwürde. So wurde sie gebaut – und kaum war der Winter vorbei wurden Schreiner und Stationsleitung hochkant gefeuert, denn der Bootssteg fehlte ja immer noch.

Die Bar ist auch bekannt dafür, dass man seinen Wodka entweder mit einem Dollar oder aber mit einem BH bezahlen kann. Und Pamela und Anneken erweiterten die BH-Sammlung.

Draußen vor den Stationsfenstern klarte das Wetter auf. Es hielt uns nicht allzu lange in der Station, denn wir wollten mit den Zodiacs noch nach Wordie House, auf derNachbarinseln. Auf Wordie House gibt es eine historische britische Hütte von 1947, die ein Museum beherbergt.

Auf dem Weg sahen wir in einer kleinen Bucht eine Wedellrobbe, die dann ausgerechnet vor meiner Kamera ins Wasser sprang und fortschwamm.

Die Hütte von Wordie House sah ich allerdings nur von außen. Stattdessen genoss ich den Sonnenschein, fotografierte die Unterwasserwelt (Muscheln, Seeigelschalen und Seesterne) und machte mit einigen eine Spritztour zu einer Robbe, die sich auf dem Eis am gegenüberliegenden Ufer die Sonne auf den Bauch scheinen ließ.Wordie House mit 65°15’ südlicher Breite und 64°16’ westlicher Länge war auch der südlichste Punkt an den wir gelangten.

Nachmittags besuchten wir Petermann Island, benannt nach August Petermann, einem deutschen Schreibtischgeographen aus dem achtzehnten Jahrhundert, der sich so einiges über die Antarktis zusammenphantasierte. Nichts von seinen Angaben stimmte, aber er motivierte so viele Expeditionen, dass es schon berechtigt ist, eine Insel nach ihm zu benennen.

Wir landeten mit den Zodiacs in Port Circumcision an und versuchten, durch den Tiefschnee hinauf zu der dortigen Kolonie von Adelie-Pinguinen zu gelangen. Ich gab nach hundert Metern auf, denn ich hatte mit meinen kurzen Beinen nicht viel Hoffnung, durch den brüchigen Tiefschnee weiterzukommen. Ich blieb oberhalb der Landebucht zurück und stellte mich in die Mitte der Pinguinstraßen. Es herrschte reger Verkehr von Eselspinguinen und (wenn auch weniger).

Adelie-Pinguinen.

Alle Arten kamen nah an mir vorbei. Meistens wurde dann kurz gestoppt, und ich interessiert beäugt (was ist denn das für ein riesiger Pinguin in orangener Jacke) bevor es in aller Ruhe weiterging.

http://www.youtube.com/p/8F13FDD63A504E5C

Irgendwann wurden die Fußsohlen vom langen Stehen im Schnee zu kalt und ich ging hinunter zur Landebucht. Und einen Eselspinguin stieg in eine meterbreite Pfütze und schwamm seine Runden vor meiner Kamera.

Winfried sah auch Orcafinnen, aber ich leider nicht.

Die Adelie-Pinguine sind hoch spezialisiert auf ein Leben im Eis, nicht so winterhart wie Kaiserpinguine, aber sie leben ihr ganzes Leben in der Nähe des antarktischen Festlandes – im Gegensatz zu den Eselspinguinen, die eher weiter nördlich anzutreffen sind. Die Adelie-Pinguin-Kolonie auf Petermann Island ist am schrumpfen, während es etwas mehr Eselspinguine gibt. Hintergrund ist die Erwärmung der Antarktis von ca. zwei Grad in den letzten Jahren. Den Adelies wird es einfach zu warm.

In der Zwischenzeit hatte sich die Ebbe zur beginnenden Flut gewandelt. So war das Einsteigen in die Zodiacs nicht ganz einfach. Wir mussten ein gutes Stück durchs Wasser waten, bis wir die Boote erreichten.

Um Fünf am Nachmittag sollte es zurück durch den Lemaire Kanal gehen. Und das Wetter wurdeimmer besser: sonnig und klar bei spiegelglattem Wasser. Im Lemaire Kanal war viel Treibeis. Zweimal sah ich Zwergwale kurz auftauchen. Dann klarte der letzte Nebel auf. Die Berge spiegelten sich im Wasser. Immer wieder sahen wir´Seehunde auf den Eisschollen.
Irgendwann nach dem wir den Lemaire Kanal hinter uns gelassen hatten, brauchte ich eine Pause von all dieser Schönheit und zog mich für eine halbe Stunden zurück.

Da zog Packeis vor dem Bullauge in der Bar auf. Ich lief hinaus auf Deck und fand die Mikheev umgeben von Eisschollen bis an den Rand des Sichtfeldes.

http://www.youtube.com/p/87655B5613FAA0F6

Das Eis krachte an die Schiffshülle. Dazwischen schwammen immer wieder Eisberge. Im Wasser zwischen den Schollen spiegelten sich Berge und blauer Himmel. Die Berge strahlten im Schneelicht.

Es war fast unerträglich schön.

Unser Ziel war die Bucht von Port Lockroy, wo wir am kommenden Morgen landen wollten. Bis dahin ankerten wir mitten im Treibeis. Abends gab es ein Surprise-Dinner auf dem hinteren Deck, auch wenn es mir schwer fiel, mich von den uns umgebenden Eismassen loszureißen.

Es gab Barbecue und Tanzmusik. Zwischendurch mussten Kathrin und ich noch schnell unsere letzen Postkarten schreiben, denn Port Lockroy, als südlichstes Postamt der Welt, war unsere einzige Gelegenheit, diese in der Antarktis abzuschicken..
Warwick tanzte mit mir und er ist ein wirklich guter Tänzer (und bei mir ging es besser als ich erwartet hatte).
Um Mitternacht stand ich mit Winfried, Jose und Russel am Bug. Die Sonne ging hinter den umgebenden Inseln kurz unter – wir waren ja noch nicht südlich des Polarkreises – aber es war immer noch hell genug, um zu lesen.

Die Sonne hatte den ganzen Abend die Bucht in immer neue Farben zwischen Rot und Blau getaucht. Jetzt, zwischen den Tagen, hatten sich die Farben zu einem intensiven Blau mit gelben Lichtern auf dem Wasser gewandelt.


Kurz vor Eins am neuen Morgen schliefen wir ein und träumten weiter vom Eis.

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