Lemaire Kanal und eine Zodiactour zwischen Eisbergen

Nach dem Frühstück um halb Acht versammelte sich alles auf dem Forderdeck bzw. auf dem Oberdeck. Die Mikheev näherte sich dem legendären Lemaire Kanal zwischen Booth Island und der antarktischen Halbinsel.

Erst lag der Kanal im Nebel versteckt, aber je näher wir kamen, desto klarer wurde die Sicht. Fast vertikale Berghänge und majestätische Gletscher begrenzen den Kanal zu beiden Seiten. Links und rechts des Schiffes schwammen kleine Eisschollen. Immer wieder Blautöne.

Dann sah ich auf einmal eine Bewegung. Und da sprang ein Wal, nein, zwei Wale. Es mussten Wale sein, für Delfine waren sie viel zu groß. Die Wale schwammen parallel zum Boot uns voran. Der eine hatte einen gelben Bauch. Fast vergaß ich auf die Landschaft zu schauen.

Die Wale waren durch den ganzen Kanal da und schwammen erst gerade weiter von uns fort, als wir anhielten.

Laut Arjen waren die Wale im Lemaire Kanal Minkhe-Wale (auf Englisch spricht sich das „Minki“). Ich war erst nicht so überzeugt. Im Buch ist der Wal ganz schwarz und ich hatte einen gelben Bauch gesehen. Beim Durchsehen von Kathrins Photos sahen wir aber die Bahrten und da der Minkhe-Wal (Zwergwal) der kleinste Bartenwal ist, habe ich damit einen weiteren „in meiner Sammlung“. Die Stunde, die wir für die sieben Meilen gebraucht hatten verging wie im Flug und ich konnte mich fast nicht von der Aussicht trennen. Fast blieb nicht mehr genug Zeit für die Gummistiefel. Und beinahe hätte ich schon wieder meine Rettungsweste vergessen. So landete ich auf dem letzten Zodiac für die Eisbergtour zwischen Booth Island und Plenau Island. Wir waren mit Arjen zu siebt: jede Menge Platz für alle!
Wir fuhren von einem Eisberg zum anderen. Zwischen dem Grau von Himmel und Meer stach das Blau und Türkis der Eisberge deutlich hervor. Ständig rief irgendjemand „Sieh das Blau dort“, „Schau, die Eiszapfen“, „Dort, das Wasser ist ganz grün am Rand vom Eisberg“. Wir waren fasziniert von immer neue Farbschattierungen.
Ein anderes Boot gab uns den Tipp, wo Crabeater-Robben zu finden sind. Den – wie sich später herausstellte – jungen Seeleoparden fanden wir selber. Einmal sah ich eine Robbe im Wasser schwimmen. Und Pinguine sprangen auf allen Seiten des Zodiacs aus dem Wasser.

Wir hatten so viel gesehen, aber es waren doch nur anderthalb Stunden vergangen als wir – doch leicht angefroren – zurück zur Mikheev kehrten. Kathrin war mit Oleg unterwegs und auch ganz begeistert. Ihr Boot war von Seeleoparden umkreist worden und sie war auf einen Eisberg geklettert.
Dies war ein fantastischer Ausflug. Den ganzen Tag wurde ich dieses glückliche Grinsen auf dem Gesicht nicht los.

Nachmittags besuchten wir Port Charcot auf Booth Island mit einer weiteren Kolonie Eselspinguine. Und scharfe Augen entdeckten dazwischen die ersten Adelie-Pinguine, kleine Flauschbälle mit weißen Augenringen. Wider Erwarten gab es dort auch Zügelpinguine, die normalerweise nicht so weit nach Süden kommen.

Was zieht man eigentlich so an?
An Deck kommt es darauf an, wo und wie lange man steht. Es empfiehlt sich aber lange Unterwäsche und darüber nördlich Cordhose und weiter südlich eine leicht gefütterte Hose. Die sollte man auch drinnen tragen, damit man schnell raus kann. Obenrum z. B. ein Laufshirt und ein mehr oder weniger dickes Fleeceshirt.
Wenn man länger draußen steht, reicht an der Seite die dicke Jacke und an den Füssen Sandalen mit Wollsocken. Vorne oder oben sollte es sein wie auf dem Zodiac (ggf. ohne Regenhose, und statt Gummistiefel die Wanderschuhe)
Auf dem Zodiac empfiehlt sich Thermalunterwäsche, Laufshirt, Fleecepulli, Skihose, Regenhose und Fleece/Goretex-Jacke.
An den Füssen zwei paar Socken, Gummistiefel (+ eine Größe mehr als man sie sonst trägt) mit einer eingelegten Thermosohle und ein Bandana um den Hals, das man auch über die Ohren ziehen kann. Oben drauf eine Mütze und darüber noch die Kapuze.
An den Fingern wasserdichte Fäustlinge auf der Fahrt, sonst griffige Handschuhe, mit denen man die Kamera bedienen kann (meine Lederhandschuhe oder die dünnen Unterhandschuhe).
Und wenn man sich dann noch bewegen kann … ;-)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.