Chinesischer Nationalfeiertag im Tashilünpo-Kloster

Frühstück im Hotel mit hartem Toast und Nachi-Marmelade (eine Mischung aus Apfel und Birne) sowie einem sehr leckerem Obstteller. Chinesisches Frühstück gab es auch, aber das war mir dort ein bißchen zu eihaltig. Chinesisches Frühstück besteht i.a. aus gebratenem Reis oder Nudeln, einem Ei, Momos bzw. Hefeteigtaschen mit Füllung und verschiedenen sauer angemachten Salaten und Gemüsen.

Anlässlich des Nationalfeiertages gab es einen Fahnenappell vor dem Hotel. Dafür war extra eine Bühne aufgebaut worden. Da wir das Fenster zur Fahne hinaus hatten, konnten wir schon am Vortag immer wieder die Übungen begutachten (Musik an, Fahne halb hoch, irgendwas falsch, Musik aus, Fahne wieder runter). Heute morgen lief natürlich alles fast perfekt. Die Bediensteten des Hotels reihten sich in vier Reihen auf. Dann wurde per Fernbedienung die Stereoanlage mit der Nationalhymne angeschaltet und zwei Polizisten zogen die Fahne hoch. Längere Reden blieben uns zum Glück erspart.

Ich weiss nicht, für mich ist so was nichts. Wir haben dann auch beschlossen, es den Chinesen am 3. Oktober nicht nachzutuen.

Das Tashilumpo-Kloster, der Sitz des Pantschen Lama, war nur 10 Fussminuten von unserem Hotel entfernt, die wir, mittlerweile höhenerprobt (der erste Tag ohne Kopfschmerztabletten) locker hinter uns brachten.

Der Pantschen Lama ist nach dem Dalai Lama der zweithöchste religiöse Würdenträger des tibetischen Lamaismus. Von seinem Rang her ist er eigentlich noch höher anzusiedeln, denn der Pantschen Lama gilt als Reinkarnation eines Buddhas, während der Dalai Lama nur Reinkarnation eines Boddhisattvas ist, also noch nicht ins Nirvana eingehen kann. Das hat in Vergangenheit auch schon zu Kämpfen geführt und wurde auch von den Chinesen ausgenutzt. Der vorletzte Panchen Lama saß bis 1975 in Hausarrest in Beijing und starb in den 80er Jahren. Danach wurde die übliche Suche nach einem kleinen Jungen gestartet, der die nächste Reinkarnation sein sollte. Dieser Junge wurde auch gefunden und vom Dalai Lama anerkannt. Und dann von den Chinesen entführt und durch einen anderen vom Dalai Lama nicht anerkannten ersetzt. Wo der Kleine nun ist weiss niemand so genau. Die aktuellen Bilder zeigen den von den Chinesen eingesetzten Panchen Lama. Er muß so um die 8 Jahre alt sein.

Hinter dem Klostertor begannen viele kleine verwinkelte Gässchen. Gemeinsam mit vielen Pilgern zogen wir von Tempel zu Tempel, immer im Uhrzeigersinn, wie man auch das Heiligtum des Tempels im Uhrzeigersinn umschreitet und die Gebetsmühlen – wenn man denn eine hat – im Uhrzeigersinn dreht.

Tashilünpo

Viele der Pilger sind Nomaden in bildhübschen Trachten. Ein Dorfvorsteher(?) mit seinen Schützlingen begegnete uns immer wieder.

Die tibetischen Teenagermädchen waren sehr kontaktfreudig und probierten ihre drei Sätze Englisch an uns aus und lachten sich kaputt, wenn sie mir die Hand drücken. Die kleinsten Kinder begrüssten uns mit einem „Hello“.

Das Kloster selber hat – Glück für mich – keine starke Steigung. Aber ich hatte mich immerhin ein bißchen an die Höhe gewohnt und kam nicht mehr so schnell ausser Atem. Und das Kloster war bisher das schönste, das ich gesehen habe.

Zu Mittag aßen wir in einem kleinen tibetischen Restaurant an der Hauptstrasse hinter den Marktständen zum Feiertag. Die Möbel könnten mir gefallen. Eine Truhe in einem dunkleren Mittelbraun, bemalt hauptsächlich in Gelbgoldtönen mit Rot und Grün dazwischen. Und überhaupt nicht kitschig (finde ich zumindest). Aber leider passt sie nicht in meinen Rucksack, auch wenn da schon unglaublich viel reingeht (und er langsam ganz schön schwer wird).

Am Ende der Hauptstrasse war dann der Alltagsmarkt. Was für ein Plunder!

Die zwei Stunden Beine hochlegen im Hotel waren heute redlich verdient. Nach einem Besuch im Internetcafe (woher mein letzter Bericht stammt) und einem köstlichen Essen (z.B. Rindfleisch mit grüner Paprika und Erdnüssen oder Schweinefleisch mit Gemüse in dünnen Streifen) war der Tag zuende.

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